© 2018 Christine Geserick

22.02.19 - Südafrika: Viele Farben

Bo-Kaap, Capetown

In nur elf Stunden kann man von Wien in den Südsommer fliegen, nach Südafrika. Wir machen das! Während hier der Winter tobt, packen wir unsere Koffer für eine 14-tägige Tour durch die Kapregion und ein Stückchen Garden Route. Auf unserer Autoreise legen wir rund 1.400 Kilometer zurück und kommen durch sehr verschiedene Regionen: vom Meer in die Berge, durch fruchtbares Weinland bis in die Halbwüste. Das “Ding” in Südafrika sind die wunderschönen Guesthouses, jedes individuell, liebevoll geführt und oft mit Hund – der schon im Internetauftritt mit Namen vorgestellt wird. Unsere Reise ist wunderschön und wir sammeln viele Eindrücke, welche also hier festhalten? Vielleicht diesen, dass ich überrascht bin, dass Mandelas Regenbogennation eher so wie eine Wunschvorstellung rüberkommt und alles noch ziemlich in Schwarz & Weiß getrennt ist; und die Coloureds irgendwo zwischendrin. Mandelas Konterfei ist überall: auf Bildern in öffentlichen Gebäuden, auf Geldscheinen oder einfach nur als Pop-Art-Plakat an einem Baumstamm. Aber wie weit kommt man ohne weiße Haut heute wirklich? All unsere gebuchten Guesthouses und Restaurants sind in “weißer” Hand, Schwarze und Coloureds immer im Service. Und das wird auch so zementiert; vielleicht nicht mehr in der Verfassung, aber in Alltag und Symbolik.  Als wir in einem Restaurant in Franschhoek auf unser Antilopensteak warten, betritt ein britischer Tourist den Raum, Typ Klein-Kolonialer, sieht den einzigen Weißen, der dort arbeitet und sagt zu ihm: “Are you the boss?” – der nickt offenbar – dann wieder er: “I thought so!”. Zuständigkeiten geklärt, Ordnung so, wie sie gehört. Wir können damit nicht so gut umgehen, müssen immer wieder diskutieren, ob das alles so in Ordnung ist.

Aber “trotzdem” genießen wir den Urlaub sehr. Denn diese Ecke Erde bietet wunderbare Natur, Ruhe und ist kulinarisch voll auf Zack! Ich esse das erste Mal Straußenfleisch, perfekt gegart auf einem Birnenbettchen, und mag es sehr. Gnu und Springbock sind auch nicht schlecht; sie gibt’s übrigens auch in getrockneten Chunks, als Snack namens Biltong (hängt nur leider zwischen den Zähnen fest). Unsere Traumtage verbringen wir in Wilderness, in einem Guesthouse direkt am Meer. Hier ist der Indische Ozean rauh, wir hören das Tosen der Wellen die ganze Nacht hindurch, und noch lauter, wenn wir am fast menschenleeren Strand spazierengehen und den kleinen Wellhornschnecken zusehen, wie sie hübsche Muster im Sand zurücklassen und sich dann eingraben. Christoph sammelt Muschelschalen, ein paar dürfen mit uns zurück nach Europa reisen. Sie sitzen jetzt on display im Bücherregal. Damit wir wirklich wissen, dass wir dort gewesen sind, in Wilderness am Meer, und dass dieser magische Ort wirklich existiert! Bilder von dort und all den anderen Orten gibt es hier.

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